Technik-Tutorial: die Blende

Von Melanie Derks am 28.10.2014

Blende – ein Spiel mit merkwürdigen Zahlen

Eines der ersten Dinge, mit denen man sich am Anfang der Fotografie beschäftigt bzw. beschäftigen sollte, ist die Blende. Schließlich ist es neben der Belichtungszeit der entscheidende Aspekt bei der Fotografie. 

Aber was ist die Blende eigentlich? Im Prinzip ein beweglicher Verschluss, mit dem man in erster Linie die Menge des einfallenden Lichtes kontrollieren kann. Vergleichbar mit der menschlichen Pupille. Geht man von einer gleichbleibenden Belichtungszeit aus (z. B. 1/200s), dann trifft je größer die Blendenöffnung bzw. Blende ist, umso mehr Licht auf den Sensor oder Film und umgekehrt. Die Blende hat aber nicht nur Einfluss auf das Licht, sondern auch auf die Schärfentiefe im Bild, also den Bereich der scharf abgebildet wird. Auch hier gilt, je weiter die Blende geöffnet, umso kleiner wird dieser scharfe Bereich vor und hinter meinem Motiv und die Schärfentiefe nimmt ab. Diese ist ein Stilmittel, welches oft in der Portraitfotografie Anwendung findet, um die Person vom Hintergrund abzuheben und den Betrachter stärker auf die Person zu lenken. An dieser Stelle sei noch ein kleiner Tipp verraten: die meisten Kameras besitzen eine sogenannte Abblendtaste, welche die Blende beim Drücken die Blende soweit schließt, wie vorher in den Einstellungen gewählt. So kann vor einer Aufnahme kontrolliert werden, wie sich die gewählte Blende auf die Schärfentiefe auswirkt.

Und wie verhält es sich nun mit der Blendenöffnung und den angegebenen Zahlen? Hier fängt das „Verwirrspiel“ auch schon an. Denn je kleiner die Zahl, umso größer ist die Blendenöffnung. Also Blende f4 ist geöffneter als Blende f8. Das hängt damit zusammen, dass die Zahlen in erster Linie nichts mit der einfallenden Lichtmenge zu tun haben. Sie beschreiben stattdessen das Verhältnis zwischen der Brennweite und dem Durchmesser der Blendenöffnung. Also eigentlich 1:4 oder 1:2.8, was auch die Bezeichnung auf den Objektiven erklärt. Einfacher gesagt, besitz ein 50mm-Objektiv eine Blende von 1:1, dann hat die Blende einen Durchmesser von ebenfalls 50mm. Damit wird auch deutlicher, warum Blende 4 größer ist, als Blende 8, da nach den allgemeinen Regeln der Bruchrechnung 1/4 mehr ist, als 1/8. Man kann sich diese Faustregel mit den Brüchen als kleine Eselsbrücke merken.

Und wie kommen jetzt diese krummen Zahlen zustande? Mit dieser Frage sind wir dann endgültig in der Mathematik angekommen, und zwar eigentlich in der Berechnung einer Fläche. Es existiert dafür auch eine Formel, die allerdings für die Praxis keine Rolle spielt, da schließlich das Objektiv die Blendenabstufungen schon vorgibt. Wichtig zu wissen ist eigentlich nur der Faktor 1,4.

Für alle Technik-Freaks unter Wuch: Wie kommt man auf diesen Wert und was hat dieser mit den Blendenzahlen zu tun?

Geht man von einer Fläche von 1m x 1m aus, ergibt dies eine Fläche von 1qm, die eine gewisse Menge Licht „aufnimmt“.  Nimmt man nun eine Fläche von 2m x 2m, erhält man eine 4qm große, also das Vierfache an Fläche und damit auch die vierfache Menge an Licht in der gleichen Belichtungszeit. Möchte man aber nur eine Verdoppelung der Lichtmenge, also auf 2qm ausgehend, muss man die Kantenlänge mit der Wurzel aus 2 multiplizieren. Und diese Wurzel ist 1,4. Multipliziert man also immer mit 1,4, ergibt sich folgende Blendenreihe:

1 - 1,4 – 2 – 2,8 – 4 – 5,6 – 8 – 11 – 16 – 22

Diese merkwürdigen Zahlen hängen also mit der Verdoppelung der Blendenöffnung und damit mit der Verdoppelung der Fläche zusammen.

Letzlich ist eine mögliche Einstellung der Blende aber vom Objektiv und natürlich der Brennweite abhängig. Je lichtstärker ein Objektiv, des weiter lässt sich die Blende öffnen.  

Und für alle die sich jetzt fragen, warum man an der Kamera auch eine Blende von f2.2, 2.5, 3.2 oder 3.5 einstellen kann, sei gesagt, dass sich bei den neueren Objektiven die Feinheit der Blendenjustierung erhöht. Ältere Kameras besaßen dagegen noch einen Blendenring am Objektiv. Bei diesen Zwischenblenden handelt es sich um Drittelstufen, mit denen die Fläche und damit die Lichtmenge noch genauer beeinflusst bzw. gesteuert werden kann. Dies merkt man auch an den Rastern der Einstellrädchen an den Kameras. Hierbei kann man sich auch merken, dass drei Rasten eine Blendenstufe bedeutet.

Wir hoffen, es ist ein wenig deutlicher geworden und das Spiel mit der Blende macht nun mehr Spaß.